Im letzten Monat habe ich in diesem Blog ausführlich über die neue Asylpolitik der EU berichtet. Durch die vielen Menschen, die in die spanische Enklave Ceuta gekommen sind, hat sich eine weitere heftige Diskussion ergeben. Einige sehen eine Bewährungsprobe und verweisen auf die Möglichkeit Migration als Waffe einzusetzen. Heftig diskutiert wurde auch über Spanien. Medien unterschiedlicher Richtungen bescheinigen, dass Migration einen Beitrag zum erstaunlichen Wachstum beigetragen hat.
Das Thema Migration in meinen Seminaren
Die Themen Migration behandele ich in verschiedenen Seminaren. In meinen Seminaren zu Europa biete ich ein Seminar „Die EU und die Flüchtlinge“ und Spanien. Außerdem behandele ich das Themen in den Angeboten zu Demokratie und Wahlen und Gesellschaft.
In diesem Beitrag möchte ich den Fokus auf die legen, die in der Berichterstattung kaum vorkommen. Den Menschen, die gekommen sind, und vor allem denen, die dabei gestorben sind.
Ceuta: Diese 72 Toten sind der Welt egal
Sara Maria Behbehani beklagt in einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung, dass bei der Berichterstattung die getöteten Menschen der Welt egal sind.
Rechtspopulistische Parteien bestimmen Berichterstattung
Bei der Berichterstattung war häufig von „Andrang“ oder „Ansturm“ oder „Angriff“ die Rede, „entmenschlicht in der Vorstellung einer die europäischen Grenzen stürmenden Horde“. Auch die 72 (oder mehr) Tote sind kaum ein Schulterzucken wert. Die Autorin sieht darin ein Zeichen, dass rechtspopulistische Parteien die Berichterstattung bestimmen – selbst wenn sie nicht in Regierungsverantwortung sind.
Kein Mitgefühl
Behbahani betont, dass Menschenleben noch nie gleich viel wert waren. Es ist aber beschämend, dass die Hautfarbe entscheidet, wie viel Mitgefühl anderen Menschen zu Teil wird, ob ein Mensch überhaupt als Mensch gesehen wird.
Die Verdammten dieser Erde sind heute die Migranten
In einem Kommentar in der Süddeutschen Zeitung zieht Heribert Prantl Vergleiche zu einem alten Film und einem Arbeiterlied: Die Verdammten dieser Erde sind heute die Migranten.
Ansturm auf die Festung Europa
Prantl verweist auf den Film „Der Marsch“ der vor 35 Jahren für Furore gesorgt hat – auch ich habe den Film für ein Planspiel zur Migration genutzt. Der Film zeigt, dass Tausende Menschen einem charismatischen Lehrer folgen und versuchen, nach Europa zu kommen. In Erinnerung geblieben ist mir auch der Vergleich mit Katzen: Lasst uns nach Europa kommen als eure Haustiere. Wir können Milch trinken, wir können eure Hand lecken. Wir können schnurren – und wir sind viel billiger zu füttern!“ Durch die in Ceuta ankommenden Menschen fühlen sich viele an den Film erinnert.
Im Film bleibt das Ende offen, in Ceuta hat Spanien schnell gehandelt. Die meisten Menschen sind nach Marokko zurückgekehrt. Während viele Regierungen Spanien hart kritisiert habe, lobt Prantl für das schnelle und entschiedene Vorgehen.
Falschmeldungen und echte Einschränkungen
Prantl kritisiert, dass die Ereignisse zum Anlass für Kritik genommen werden. Die Geflüchteten waren überwiegend Männern, die Arbeit suchen, die Asylregeln sind für sie also gar nicht anwendbar. Falschmeldungen über angelblich großzügige Aufnahmeregen in den sozialen Medien waren wohl zentrale Ursachen. Keine Falschmeldung ist, dass die EU-Regeln das Radikalste sind, was die EU je produziert hat. Deutschland streich seit Jahren die Entwicklungshilfe zusammen. Nach fünf Kürzungsrunden liegt der Anteil am Haushalt bei zwei Prozent: Die Präsidentin der Welthungerhilfe spricht vom Abschied von humanitärer Verantwortung. Die Migrationsbewegungen sind auch eine Quittung dafür.
Die einen brauchen uns, die anderen brauchen wir
Dies führt Prantl zum alten Arbeiterlied: „Wacht auf, Verdammte dieser Erde, die stets man noch zum Hungern zwingt!“ Der Kampf um das Menschenrechte gilt für die Asylbewerber, die vor Perspektivlosigkeit, Bürgerkrieg und Hunger fliehen – sie sind heute die Verdammten dieser Erde.
Andererseits brauchen die Europäer Migranten: „Die einen brauchen uns, die anderen brauchen wir. Perspektiven brauchen beide.“ Er bezeichnet Migration als „zivilisatorische Notwendigkeit“ und fordert eine kluge Migrationspolitik statt hysterischer Anti.Migrations-Agitation: „Das ist die Aufgabe nach der Ceuta-Krise.“