In diesem Blogbeitrag stelle ich zwei weitere Kommentare zum 10. Jahrestags des Brexit vor:
Großbritannien und das verlorene Jahrzehnt
Michael Neudecker und Hubert Wetzel ziehen in der Süddeutschen Zeitung Bilanz: Großbritannien und das verlorene Jahrzehnt
Ein verlorenenes Jahrzehnt
Die Debatte über den Brexit im Parlament war eindeutig – die meisten Abgeordneten waren sich einig, dass viele Hoffnungen durch den Brexit nicht eingetreten sind. Nigel Farage war wie so oft nicht im Parlament, er schiebt die Probleme immer wieder darauf, dass der Brexit nicht richtig umgesetzt wurde, lässt aber offen, was er damit meint.
Noch keine richtige Haltung gefunden
Fast dreieinhalb Jahre dauerten die Verhandlungen. Die Regierung musste erkennen, dass EU-Regeln nicht so einfach zu streichen sind. Die Konservativen hatten mit David Cameron, Theresa May, Boris Johnson, Liz Truss und Rishi Sunak fünf Premierminister, der Labour-Nachfolger Keir Starmer steht massiv unter Druck. Auch er konnte nicht genau sagen, was er mit „mehr Nähe zur EU“ meint. Zehn Jahre nach dem Brexit habe die britische Politik noch keine richtige Haltung dazu entwickelt.
Debatte über Wiedereintritt
Mittlerweile glaubt die Mehrheit der Briten, dass der Austritt ein Fehler war, bei den Befragten unter 25 Jahren sind es sogar 76 Prozent. Allerdings ist unklar, ob die EU überhaupt offen wäre, die Verhandlungsposition der Birten ist nicht gut. Die Schmerzen, die die Briten fühlen, sind in Brüssel bis zu einem gewissen Grad gewollt. Sie wollten Nachahmer abschrecken und zeigen auch wenig Bereitschaft auf Kompromisse wie ein Binnenmarkt für Waren.
Die EU hat andere Sorgen
Darüber hinaus hat nicht nur die EU ganz andere Sorgen. Der Krieg in der Ukraine, die Rivalitäten mit Trump du Cchina. In der Sicherheitspolitik funktioniert die Zusammenarbeit wzischen EU und Großbritannien ganz gut, hier ist die Mitsprache ausdrücklich gewünscht.
Zehn Jahre Brexit – wie geht es den Briten?
Martin Wittmann fragt in der Süddeutschen Zeitung: Geht es den Briten jetzt besser oder schlechter?
Es könnte ihnen besser gehen
Die meisten Studien kommen zum Ergebnis, dass es den Briten innerhalb der EU um einiges besser gehen könnte. Für britische Unternehmer ist es aufwendiger und kostspieliger – der Warentausch kännte um 15 Prozent höher sein. Die Formalitäten verschlingen nicht nur Geld, sondern kosten auch Zeit und Arbeitskräfte. Neue Handelsabkommen haben die Briten kaum geschlossen und wenn, ähneln sie denen, die bereits mit der EU abgeschlossen wurde.
Es mangelt an Fachkräften, Lebensmittel sind teurer geworden
Durch die Abwanderung von EU-Ausländern fehlt es an Personal, die Preise sind gesriegen. Ist das Einkommen der Birten in den zehn Boomjahren vor 2016 um 40 Prozent gestriegen, stagniert es jetzt.
Allerdings sind die Effekt aufgrund der zahlreichen internationalen Faktoren nur schwer zu beziffern.
Ein Forschertean des Centre for European Reform kam zum Ergebnis, dass Großbritannien in der EU rund 5 % größer wäre.
Gute Nachrichten
Aber es gibt auch gute Nachrichten. Der Dienstleistungshandel ist nicht so stark gesunken – London hat sich als internationales Finanzzentrum bewährt. Gegenüber den USA haben die Briten tatsächlich Vorteile: Sie zahlen nur zehn Prozent Zoll, während die EU 15 Prozent bezahlen müssen. Abzuwarten bleibt, wie die Briten ihre Unabhängigkeit beim internationalen Wettbewerb um die KI-Branche nutzen werden.